Das Elfenross

A. Maier

Es hatt' eine Dam' einen Retter flink,

Ein rasches, rothes Roß;

Zum Boden herab die Mähne hing,

Blitzfunken die Nüster schoß.

Dem Renner, dem war sie treu und hold,

Mit Silber war er gezäumt,

Beschlagen der Huf mit rothem Gold,

Mit Perlen der Gut gesäumt.

Und eh' die Sonne am Himmel schwamm,

In dem Stalle die Dame war,

Sie kämmte dem Thier mit goldigem Kamm

Sein goldiges Mähnenhaar.

Und Seide sie flocht und Perlenband

Mit dem Lilienfinger hinein,

Es trank der Renner aus ihrer Hand

Den rothen Burgunderwein.

Den vollen Arm, den weißen Arm

Um des Theires Nacken sie schlug;

Es rann von der Wange die Thräne warm

Auf des Renners glänzenden Bug:

"Mein stolzes Roß, mein treues Roß,

Dir klag' ich all mein Leid."

Auf riß das Roß, auf dehnte das Roß

Die schnaubende Nüster weit.

"Sie wollen mir trauen als Bettgenoß

Den falschen, verhaßten Mann."

Da sprengte das Roß, da riß das Roß

Der goldenen Halfter Bann.

"Mein rothes Roß, mein rasches Roß,

Heut rette mich, oder nie!"

Tief senkte das Roß, tief bog das Roß

Vor der Herrin das schlanke Knie.

Und sah sie an gar bang und lang,

Gar traulich und flehentlich,

Die Dame sich auf den Renner schwang,

Der Renner von hinnen strich.

Die Schwalbe, die unten im Sturme glitt,

Sie holt' ihn nimmer ein,

Der Sturm, der oben auf Wolken ritt,

Keucht' ächzend hinterdrein.

Es steht ein Schloß im Elfenwald,

Ein diamantenes Schloß,

Da stockt' es im Laufe, da macht' es Halt,

Da stand es, das schnelle Roß.

Und als sie ihm dankend den Hals umfing,

Es kos'te mit Mund und Hand,

Statt des Renners der Dame im Arme hing

Der König von Elfenland:

"Du schöne Frau, du minnige Frau,

Nun sollst du mein eigen sein,

Das Elfenschloß und der Elfengau

Ist Alles, Alles Dein!

Und wie du vordem in Hof und Stall

Kredenzt mir den rothen Wein,

So kredenze fortan mir in Schloß und Hall'

Die rothen Lippen dein."