Im Walde

A. Michaelis

Ich weiß ein traulich Plätzchen

Im Buchenwalde tief,

Da fand ich jüngst mein Schätzchen,

Das sanft im Grünen schlief.

Es lag ihr Köpfchen holde

Auf weichem Pfühl von Moos,

Durch's Laub wie Regen von Golde

Der Sonnenschimmer floß.

Und funkelnde Lichter spielten

Um ihre Elfengestalt,

Und säuselnde Lüfte kühlten,

Und träumerisch rauschte der Wald.

Wohl glühten im Schlaf ihre Wangen,

Es wehte ihr Athem so heiß

Und flüsternde Worte klangen

Von ihren Lippen leis.

Ich lag auf den Knie'n, zu belauschen

Der Liebe Orakel im Traum,

Wie störte mich rings das Rauschen!

Zu athmen wagt' ich kaum.

Da rief ein Kuckuck helle.

So tückisch hell im Busch,

Auffuhr mein Liebchen schnelle,

Und war entfloh'n im Husch.

Ein Brünnlein sprang im Walde,

Es war ein dunkler Ort,

Dort trafen wir uns balde

Und tauschten Blick und Wort.

Ich hing an ihrem Munde,

Der Kuckuck rief im Laub --

Wir aber waren zur Stunde

Für alle Rufe taub. --