Die Gefangene
A. Oechsner
Wäre ich nicht gefangen,
liebte ich wohl dieses Land
und dieses Meeres Prangen,
seinen baumreichen Strand,
liebt' der Sterne Gefunkel,
wenn sich dort durch das Dunkel
nicht der Säbel mir zeigte
in meines Wächters Hand.
Und doch lieb' ich dies Ufer,
wo Kälte nie hauset,
wo nie der Nordwind brauset
mit der eisigen Macht.
Wie nach laulichem Regen,
erquickt vom reichen Segen,
Blümlein froh sich bewegen
funkelnd in Demantpracht.
Hier kosen sanfte Winde,
weht die Luft zart und rein,
wieget die Nacht so linde
mich in süße Träume ein.
Hier kann ich, welch' Entzücken,
weit auf das Meer hinblicken,
hier glänzt, mich zu beglücken,
des Mondes Silberschein.