Schäfer und Schäferin

A. Pohlenz

In den Schatten jener Bäume

Zieht, ihr muntern Schäfchen, hin!

Dort umgaukeln mich die Träume

Von der holden Schäferin.

Als sie neulich dort vorüber

Mit der kleine Heerde zog,

Und das Zauberwort: mein Lieber!

Ihrem Rosenmund entflog;

Wurde mir so wohl und bange,

Stumm und sprachlos stand ich da,

Und das Blut stieg mir die Wange,

Wußte nicht, wie mir geschah.

Und sie schlug die Augen nieder,

Gab mir ein Vergißmeinnicht,

Zupft' erröthend sich am Mieder,

Und verwandte das Gesicht.

Ach! seitdem ist alles öde,

Still und einsam auf der Flur,

Selbst die vielgeliebte Flöte

Klagt von meiner Liebe nur.

Darum weidet nur, ihr Schafe,

Unter jenen Bäumen hin!

Wenn ich wach' und wenn ich schlafe,

Träum' ich von der Schäferin.