Die bittenden Vöglein
A. Reissmann
Bitte, stillet uns're Noth,
Bitte, bitte, gebt uns Brod!
Alle Dächer, Hecken, Wälder,
Alle Wege, alle Felder,
Wo ein Futterkörnchen steckt,
Alles ist mit Eis bedeckt,
Alle Nahrung ist verschüttet,
Und ein hungernd Völkchen bittet:
Bitte, stillet uns're Noth,
Bitte, bitte, gebt uns Brod.
Bitte, stillet uns're Noth,
Bitte, bitte, gebt uns Brod!
Gott, der Euch als Mensch erlesen,
Schuf auch uns, wie alle Wesen
Nur aus Lieb', zum Glücklichsein,
Unsres Daseins uns zu freu'n.
Was Euch Gottes Lieb' gegeben,
Gebt ein wenig uns zum Leben.
Bitte, stillet uns're Noth,
Bitte, bitte, gebt uns Brod!
Bitte, stillet uns're Noth,
Bitte, bitte, gebt uns Brod!
Kehrt der schöne Frühling wieder,
Singen wir Euch frohe Lieder,
Hüpfen frisch von Ast zu Ast,
Picken ohne Ruh' und Rast,
Raupen, Frucht' und Blüthenfresser,
Daß sich füllen Scheun' und Fässer.
Bitte, stillet uns're Noth,
Bitte, bitte, gebt uns Brod.
Bitte, stillet uns're Noth,
Bitte, bitte, gebt uns Brod!
Von des Segens reicher Fülle,
Daß es unsern Hunger stille,
Keine Wohlthat ist zu klein,
Gottes Auge sieht darein;
Wollen sammeln, wollen singen,
Mög' es Gottes Segen bringen.
Bitte, helft uns aus der Noth,
Bitte, bitte, gebt uns Brod!