Auf einem Berge möcht' ich sterben

A. Renkin

Ich möchte nicht im Thal verderben,

Den letzten Blick beengt von Zwang;

Auf einem Berge möcht' ich sterben,

Bei gold'nem Sonnenuntergang!

Verschwimmend leis', wie Engel singen

Vom Kloster her am stillen See,

Der Glocken abendliches Klingen

In Wonne lösend Erdenweh!

Vor mir die Höhen roth erglühend

Umweht von freier Luft Gebraus

Und Alpenblumen mich umblühend

Haucht' gern den letzten Hauch ich aus!

Noch einmal lächend niederschauen

Zum Erdenplane, lichtumstrahlt

Auf frische frühlingsgrüne Auen,

Auf gold'ne Saat und dunklen Wald.

Noch mit dem letzten Athem saugen

Den Blüthenduft, der aufwärts steigt,

Der Sonne meine trüben Augen

Die brechenden noch zugeneigt.

Geröthet noch die blassen Wangen

Von ihrem letzten Purpurschein,

So schied' ich gern von Erdenprangen,

So ging ich gern zur Heimath ein!

Ich möchte nicht im Thal verderben,

Den letzten Blick beengt von Zwang,

Auf einem Berge möcht' ich sterben

Bei gold'nem Sonnenuntergang!