Danklied
A. Rietz
Frischauf! mein Herz, und werde Klang!
Und, Seele, werde Lied!
Und, Freude töne Lobgesang,
Der mir im Busen glüht!
Denn er, der alle Himmel rollt
Und zählt das Sternenheer,
Denn Gott, der Vater, treu und hold,
Verläßt mich nimmermehr.
Ich lag, umhüllt mit Finsterniß,
Die aus der Hölle kam,
Und durch die tiefste Seele riß
Mit Tigerklau'n der Gram,
Gebrochen war mir alle Kraft,
Erloschen aller Muth,
Da rief ich dem, der alles schafft:
Mach's Vater, mach' es gut!
Und plötzlich ward die Nacht zu Licht,
Zur Wonne ward das Leid,
Und wieder schaut' ich aufgericht't
Des Lebens Herrlichkeit,
Den blauen, lichten Sternenraum,
Der Erde Blumenfeld --
Da war mein Jammer nur ein Traum,
Die Welt die beste Welt.
Drum dank' ich dem, der Wunder thut
Und Güte für und für,
Es rieselt jeder Tropfen Blut
Den Lobgesang in mir,
Es wird ein jeder Blick ein Stral,
Der auf gen Himmel dringt,
Wo tausend tausend tausend Mal
Das Heilig! Heilig! klingt.
Denn wie die Kindlein in dem Schooß
Die treue Mutter hegt,
Läßt seine Treue nimmer los,
Die alles selig trägt;
Und seine Liebe lockt so süß,
Was Liebe mag versteh'n,
Daß wir zu ihm in's Paradies
Der Lust und Unschuld geh'n.