Wechselgang
A. Romberg
Sie:
Wie nennst du das Gefühl, das mir den Busen schwellt?
Ich nenn' es Liebe.
Er:
Wie das Gefühl, das mich zum Gott erhebt?
Sie:
Ich nenn' es Liebe.
Er:
Was meiner Phantasie Gebild in Dichtung üpp'gen Mantel hüllt?
Sie:
Ach, es ist die Liebe.
In der Hoffnung lieblichem Gewand
lächelt mir Liebe.
Er:
Nach dem Tod im unbekannten Land
winkt uns erst Liebe.
Sie:
Liebe, Liebe heißt die Gottheit,
die so vielen Rosenketten beut;
ach, für mich ist sie ein Wesen,
das ein holder Traum gebar.
Sie entflieht vor meinen Augen
in das schöne Fabelland,
wenn mich rauher Wirklichkeit
kalte Gegenwart umgibt.
Er:
Warum schuf mich Gott mit glüh'ndem Herzen,
warum ward mir dieses Sehnen,
das hier nie gestillt sein soll?
Eine nur, o Einz'ge, die ich liebe,
die, ein Ideal, mir hier schon winkt.
Beide:
Leben lass uns für die schöne Zukunft,
wo im Schatten dunkler Zypressen
uns die Liebe ruft.