Jost mit der Schelle
A. Rosetti
Für'n armen Jost, für'n armen Jost,
Sei mildreich, Erdensohn!
Und thu' ihm was zu Lieb' und Trost
Und habe Gotteslohn!
Muß hier in Wind und Wetter stehn,
Daß jedes Glied ihm starrt.
Sieh', seine grauen Haare wehn
Um den bereiften Bart!
Ist blind, und ach! hat siechen Leib!
Ist blind, der arme Mann!
Und hat kein Kind und hat kein Weib,
Das seiner warten kann.
Ist blind! Kann nicht die Sonne mehr,
Und nicht den Mond mehr sehn,
Nicht, mit dem Antlitz mild und hehr,
Den Menschen bei sich stehn;
Den Menschen, der es gütig meint,
Und inniglich erweicht,
Um seines Lebens Jammer weint,
Und ihm die Gabe reicht. --
Ach, Kinder, dem wächst saures Brot,
Der so es betteln muß.
Oft kränkt mich Spot in meiner Noth
Und oft schilt mich Verdruß.
O Gott, wie mancher schnarcht mich an
Und schimpft: du Bettelbrut!
Wie mancher wirft mir blinden Mann
Gar Kiesel in den Hut!
Den Großen nicht, noch ihrem Troß
Rührt meine Noth den Sinn.
Sie rollen hart mit Kutsch' und Roß,
An meiner Krücke hin.
D'rob seufz' ich manche lange Nacht
Und wein' ohn' Unterlaß.
Wenn Morgens meine Seel' erwacht,
So ist mein Strohsak naß.
O Kinderchen, hätt' ich's nicht Noth!
Könnt' ich am Strahl des Lichts
Gewinnen mir das liebe Brod,
Im Schweis des Angesichts!
Wie froh und fleissig wollt' ich sein
Und nähren Weib und Kind!
Ach, keine Schwülen wollt' ich scheu'n,
Kein Wetter, keinen Wind.
Gott spar' euch frei von solcher Noth!
Gebt gern mir, was ihr gebt!
Nur dies versüßt das saure Brod,
Wovon der Arme lebt.