Die Hochzeit einer Gräfin
A. Rousseau
Der Mann:
Sahst du die Braut hoch auf dem Throne,
goldstrahlend die Grafenkrone,
der Demante farbig Licht?
Alle, die zur Kirche kamen,
riefen entzückt: Preis der Damen!
Die Frau:
Ja, aber sie beteten nicht.
Der Mann:
Abends dann im großen Saale
beim blendenden Kerzenstrahle
manch köstliches Schaugericht?
Sahst du Bacchus Gaben winken,
in Goldpokalen blinken?
Die Frau:
Ja, aber man trank doch nicht.
Der Mann:
Sahst du den Hofnarr Späßchen machen,
noch muss ich darüber lachen,
denke ich an sein Gesicht!
Sahst du, wie der Schwänkevolle
spielte die Narrenrolle?
Die Frau:
Ja, aber man lachte doch nicht.
Der Mann:
Hörtest du Pauken, Hörner und Geigen
einladen zum munter'n Reigen
bis strahlte das Morgenlicht?
Sahst du jene Festgewänder,
Spangen, Federn und Bänder?
Die Frau:
Ja, aber man tanzte nicht.
Der Mann:
Sahst du das Brautbett aufgeschlagen,
den Himmel von Engeln getragen?
Schwer war er von Goldgewicht!
Die Frau:
Ja, ich sah's, doch glaub' ich nimmer,
dass trotz dem eitlen Schimmer,
wie wir sie sich lieben nicht!