Ländliche Ruhe
A. Rousseau
Warum vom Dörfchen dich trennen,
welches Ruh' und Friede bewohnt,
unterm stillen Schattendache
die zufriedene Liebe thront,
wo des Bächleins klare Welle
strahlt im Morgen-, Abendlicht?
Der Natur geheime Stimme
laut zu meinem Herzen spricht:
Warum vom Dörfchen dich trennen,
welches Ruh' und Friede bewohnt,
wo zufriedene Liebe thront?
Die euch ein grausam Geschicke
in den Lärm der Städte gebannt,
o beneidet meine Hütte,
wo der Freiheit Glück ich fand!
Ihr genießt die süße Ruhe
des Morgens, Abends nicht,
weil der Leidenschaften Treiben
ihren Zauberkreis durchbricht.
Warum vom Dörfchen dich trennen,
welches Ruh' und Friede bewohnt,
wo zufriedene Liebe thront?
Ihr, die im Dampf der Schlachten
nach des Ruhmes Lorbeer ringt
und zu manchem stillen Tale
des Verderbens Flamme bringt,
wenn euch Siegeskränze schmücken,
dann beneide ich euch nicht,
weil zu mir die süße Stimme
der Natur so lieblich spricht:
Warum vom Dörfchen dich trennen,
welches Ruh' und Friede bewohnt,
wo zufriedene Liebe thront?