Der Dichter

Rubinstein, Anton

Du merkst nicht, wie so flüchtig Dir entschwunden

Die nächt'ge Zeit bei Deiner Lampe Schein;

Es blickt durch's Fenster schon der Tag herein

Und noch hält Dich Dein Genius gebunden.

Du siehst im Geist der Menschheit off'ne Wunden

Und möchtest gern, Poet, mit Öl und Wein

Der Poesie ihr Samariter sein.

Glaubst Du, daß sie durch Reime kann gefunden?

Du schüttelst trüb das Haupt auf meine Frage.

So sag' doch, sag', was kannst Du mir erwidern?

Das Feuer zehrt Dich auf, das Dich durchloht.

„Kann ich auch stillen nicht der Menschheit Klage,

So treibt der Geist mich doch, mit Trost in Liedern

Sie auszusöhnen mit des Lebens Noth.”