Der Dolch
Rubinstein, Anton
Ich lieb es, deinen kalten Glanz zu sehn,
Mein Dolch, mein Kampfgenoß, mein treuer Diener!
Zum wilden Kampfe schliff dich der Tschetschen,
Dich schmiedete zur Rache der Grusiner!
Es schenkte eine Lilienhand dich mir,
Als mich ihr Arm zum Letztenmal umschlossen,
Und - statt des Bluts - zum Erstenmal auf dir
Um mich geweinte Thränenperlen flössen.
Ihr schwarzes Auge in der Schmerzensflut
Bald trüb sich schloß, bald blendend funkelte:
Gleichwie dein Eisen bei des Feuers Glut
Bald Blitze warf, bald sich verdunkelte.
Zum Pfande treuer Liebe weihte mir
Ihr Auge dich, das thränenfeucht verklärte:
Drum liebend ewig treu sein will ich ihr,
Ja, fest wie du, mein eiserner Gefährte!