Der Morgen

Rubinstein, Anton

Seht, ob steilen Bergen,

die zum Himmel streben,

dort aus Blüthenthalen

Nebel sich erheben!

Seht, wie er gleich Rauch

sich zu den Wolken windet,

die mit Gold sich säumen,

bis er unter ihnen,

den verwandten, schwindet!

Und jetzt zittert unten

Frühroth auf den Wellen.

Schon beginnt der Osten

flammend sich zu hellen.

Ha, schon strahlt des Morgens,

jungen Morgens Sonne!

Nacht entweicht und alles

grüßt den Tag mit Wonne,

grüßt die Sonne!

Am Azur, den blauen,

ist nur Licht zu schauen.

Genius der Menschheit,

freue dich! zur Trauer

seit jeher verurtheilt,

fühle Wonneschauer!

Freue dich und glaube,

enden muß das Leiden,

wenn auch währt das Ringen,

enden muß das Leiden!