O frage nicht

Rubinstein, Anton

O frage nicht nach meinem Harme,

Warum der Schlaf mich flieht, frag nicht,

Warum selbst, wenn ich dich umarme,

Die Thräne mir ins Auge bricht.

Argwohn und Zweifelsucht gewannen

Nie Herrschaft über meinen Geist,

Und doch kann ich die Furcht nicht bannen,

Daß dich das Schicksal mir entreißt.

O du, die ich mein Alles nenne,

Erlöse mich von meiner Noth,

Fleh auf zu Gott, daß nichts uns trenne

Im Leben nicht und nicht im Tod.

Ich weiß, du liebst mich treu und innig,

Das ists, warum mein Herz mich quält -

Denn so gewöhnt ans Unglück bin ich,

Das mir ans Glück der Glaube fehlt.