Sehnsucht

Rubinstein, Anton

Gönnt mir goldne Tageshelle,

öffnet mir des Kerkers Schloß,

eine Maid gebt mir zur Stelle

und mit schwarzer Mähn' ein Roß:

Laßt mich einmal durch die Auen

sausend sprengen auf dem Roß

Leben ach! und Freiheit schauen,

die ich selten nur genoß!

Mit vermorschten Brettern gebt mir

nur ein schwaches schwankes Boot,

dessen Segel von den Wettern

tausendfältig sind bedroht:

In die Wogen will ich springen,

unverzagt und ohne Leid,

mit dem Meere mannhaft ringen

und mit der Unendlichkeit.

Gebet mir ein Schloß mit Zinnen,

wo in Gärten grün und hell

blüht die Schattenreb' und drinnen

springt im Marmorsaal der Quell.

Laßt ihn rauschen, laßt ihn spielen,

bis der Schlummer kommt gemach,

laßt die Schläfe ihn mir kühlen,

daß ich träum und sanft erwach'.