Riccio's Abschied an Maria Stuart

A. Schäffer

Sterb' ich zuerst, Geliebte,

Dann soll mein Geist dereinst

Am Himmelsthore warten

Und harren, bis Du erscheinst! -

Ja, harren und warten auf Dich, Lieb,

Und durch die weite Nacht

Mit Menschensehnsucht spähen,

Bis mir Dein Auge lacht!

Von allen Himmelssternen

Seh dann nur Einen ich,

Die Erde, Stern meiner Liebe,

Halb Himmel, er trägt ja Dich; -

Ganz Himmel, er trägt ja Dich, Lieb,

Und hellste aller Sphären,

Von Deinem Lächeln durchleuchtet,

Geheiligt durch Deine Zähren.

Sterb' ich zuerst, Geliebte,

Ich fühl', daß es mich ereilt -

Doch der Himmel ist mir nicht Himmel

Bis einst mit Dir getheilt, -

Bis einst mit Dir getheilt, Lieb,

Vor dem Thor ich harren will,

Als Schutzgeist Dich umschweben,

Dich lehren, zu warten still.

Und kommt dann Deine Stunde,

Und durch die schwindende Nacht

Seh' Deinen seligen Geist ich

In Licht emporgebracht -

Dann eilt mein Geist Dir entgegen

Und durch das ew'ge Thor

Steigt, Eins mit Dir auf ewig,

Er jubelnd licht empor!