Die versunkene Stadt
A. Scharrer
Fernher tönte Cicadensang,
Wind und Wellen ruhten,
Selten ein silbernes Fischlein sprang
Über die schweigenden Fluthen.
Glimmende Funken der Sonnenball
Über das Wasser verstreute. --
Horch, da drang aus der Tiefe ein Schall
Leise wie Glockengeläute:
Kling, klang, kling, klang,
Versunken, versunken, wie lang, wie lang!
Liegt eine Stadt Jahrhunderte lang
Bergetief unter den Wogen.
Muscheln, Korallen und schlüpfriger Tang
Haben die Mauern umzogen.
Zinnen und Thürme streben empor
Hoch auf dem sandigen Grunde.
Selten gibt leiser Glockenchor
Von der Verschollenen Kunde.
Kling, klang, kling, klang,
Versunken, versunken, wie lang, wie lang!
Ruhend unter dem Segeldach
Lauscht' ich dem Ton aus den Tiefen.
Alte Märchen rief er mir wach,
Die in der Seele mir schliefen.
Was mir gesungen der Ahne Mund
Abends bei Spindel und Rocken,
Klingt mir jetzt aus des Herzens Grund
Leis wie versunkene Glocken.
Kling, klang, kling, klang,
Gesungen, verklungen, wie lang, wie lang!