Das Abendglöcklein hört' ich klingen

A. Schulz

Das Abendglöcklein hört' ich klingen,

Bald klang es leis, bald klang es laut, --

Galt's eines Herzens letztem Ringen?

Galt's einer myrthenschmucken Braut?

Im Klange sprach ein leises Mahnen:

So tönet voll beglückter Pein.

So muß das träumerische Ahnen

Der Liebe sein!

Es summte auf dem Blumengrunde,

Es trank aus einem Honigkrug

Das Bienchen mit dem süßen Munde,

Das heimlich doch den Stachel trug.

Im Summen sprach ein leises Mahnen:

So sticht voll Lust, so sticht voll Pein,

So muß das träumerische Ahnen

Der Liebe sein!

Die Nachtigall vernahm ich schlagen,

So freudiglich, so wehmuthsvoll,

Als ob ihr in des Liedes Klagen

Die Thräne aus dem Auge quoll!

Im Liede sprach ein leises Mahnen:

So tönt in Lust, so tönt in Pein,

So muß das träumerische Ahnen

Der Liebe sein!

Ach, und des Abendglöckleins Klagen,

Dies Bienensummen fern und nah,

Und dieses Nachtigallenschlagen

Vernahm ich, als ich dich ersah.

Erst rauschten wirr die Klänge alle,

So wehmuthsvoll, so freudiglich,

Und starben dann in einem Halle:

Ich liebe dich!