Nachtfalter
A. Schuster
Wenn ihren Nonnenschleier
Hat ausgehängt die Nacht,
Sitz ich in stiller Feier,
Das Fenster aufgemacht.
Mit Äugelein voll Schimmer
Schau'n Sterne mild herein,
Und füllen mir das Zimmer
Mit wunderbarem Schein.
Wie lieb ich die Betrachtung
Der schönen, großen Stadt,
Wenn liebliche Umnachtung
Sie leis' umdämmert hat;
Wenn in die breiten Straßen
Der Mond herunterschau't,
Und alle Häusermassen
Mit Silber überthaut.
Da kann ich nicht mehr bleiben
In meiner Zimmergruft,
Ich muß herum mich treiben,
Und schwimmen in der Luft;
Ich wandle so allmählig
Durch's Mondenlicht dahin,
Bis ich ganz herzensselig
An Liebchens Fenster bin;
Da schau' ich in die Höhe,
Das Auge ausgespannt,
Ob ich die Holde sehe,
Die liebend ich erkannt;
Und sende leise Grüße
Hinauf nun durch den Raum,
Daß sie die Holde, Süße,
Umflattern noch im Traum.