Verzage nicht

A. Seelmann

"Verzage nicht, verdunkeln düstre Schatten

Auf Deinen Pfad! Bist Du auf Gottes Bahn,

So wolle Du im Kampfe nicht ermatten!

Es schließt der Nacht sich einst der Morgen an!

Vertrau' dem Herrn! Bald tagt des Aufgangs Licht!

Ermüde nicht!"

"Ermüde nicht! Will Deine Ohnmacht zagen,

So schau' empor, des Herren Engel wacht!

Von ihm beschützt, von seinem Arm getragen,

Wird leicht und sanft der schwere Gang vollbracht.

O höre, wie er freundlich zu Dir spricht:

Durch Nacht zum Licht!"

"Durch Nacht zum Licht! Schau' wie die Wolken brechen,

Schau', wie des Ostens goldner Vorhang steigt,

Wie sich, durchströmt von frischen Lebensbächen,

Ein Lenzgefild zu Deinen Füßen zeigt.

Der Herr ist nah, er weiß was Dir gebricht!

O zweifle nicht!"

-- O Du mein Hort, der an Tobias Seite

Den Engel einst gestellt zu Schutz und Wacht,

Ich weiß, Du hast sein heiliges Geleite

Noch heut' den Deinen freundlich zugedacht.

Ein Herz von Deiner Liebe Kraft erfüllt,

Das ist sein Bild!

Das ist sein Bild, sein Ebenbild, erkoren

Zu Deinem Dienst, zu Deines Namens Ruhm!

Der Engel Schutz, er ging uns nicht verloren,

Er waltet fort in Deinem Heiligthum!

Was Wunder scheint, das deutet, dankdurchglüht:

Ein still Gemüth!