Des Totengräbers Braut

A. Spaeth

Die Stürme stöhnen, es braust der Wald,

der Wetterhahn wimmert, der Mond scheint kalt;

er blicket kalt auf die Erde herab,

er blicket kalt in ein offenes Grab.

Und an des Grabes beschneitem Rand,

da sitzt ein Weib im weißen Gewand.

[Sie sitzt gebückt auf der Totenbahr',

die Winde wehen im wallenden Haar.]

Sie blickt still lächelnd in ihren Schoß,

da liegt ein Kindlein nackt und bloß.

Die zarten Glieder sind starr und kalt,

die kleinen Händchen sind fest geballt.

Sie wickelt es dicht in ihr Busentuch ein

und legt sich lächelnd ins Grab hinein

und flüstert leise: Nun gute Nacht,

du Guter hast mir mein Bett gemacht.

Sie war einst des Totengräbers Braut,

jetzt ist einer Reicher'n er angetraut.

Da zog sie still in die Welt hinaus

und kehrte in heiter'm Wahnsinn nach Haus'.

Es trieb sie dort, auf den Kirchhof zu geh'n,

wo sie den Liebsten so oft geseh'n;

sie legte sich mit dem Kinde zur Ruh',

und weiche Flocken deckten sie zu.

Und als er des Morgens zur Arbeit kam

und fröhlich singend die Schaufel nahm,

und als er singend den Schnee wegscharrt',

da fand er Mutter und Kind erstarrt.