Des Sängers Braut
A. Stadler
Ich weiß ein Hüttchen eng und klein
Mit zarten Gitterspangen
Das hält im dunklen Kämmerlein
Treu-Liebchen mir gefangen.
Ach meine gute, fromme Braut!
Ich hab´ sie nie gesehen,
Nur wenn mich Sehnsuchtleid umgraut,
Vernehm ich leis´ ihr Wehen.
Dann poch´ ich an ihr Gitterhaus
Mit sanft erhob´nem Finger,
Und engelrein schwebt sie heraus
Aus ihrem engen Zwinger.
Und tritt mit leisem Gruß hervor
Aus schmaler, finst´rer Pforte,
Und lispelt mir ins trunk´ne Ohr,
Gar süße Himmelsworte.
Doch kaum, daß an den holden Laut
Die Sinne stumm sich weiden,
Muß wieder schon die treue Braut
Von ihrem Lieben scheiden.
Die Weste segeln still heran
Auf leichten Geisterflügeln,
Und tragen sie gar weit hindan
Nach fernen, fernen Hügeln.
Hinaus in öden Raum verbannt,
Wird Liebchen trüb und trüber,
Und seufzt von rauher Felsenwand
Noch sterbend mir herüber.
Und, daß, ihr Freunde! All´ es wißt,
Das Haus ist meine Zither,
Und Liedchen mein, das sie verschließt,
Ist´s Bräutchen hinterm Gitter.