Ach, wenn die Blumen singen könnten

A. Steinmann

Ach, wenn die Blumen singen könnten

Mit ihrem kleinen Rosenmund,

Sie thäten allen Elementen

Des Frühlings Wonnen singend kund:

Durch Hain' und Fluren würd' erglühen

Ein Feuermeer der Melodie! -

Doch Blumen können nichts, als blühen

Und singen muß der Mensch für sie.

So sing', o Mensch! Denn horch, es singen

Die lieben Vöglein lieb und laut!

Der Erde soll's zum Herzen dringen,

Sie sei des blauen Himmels Braut.

Im grünen Kleide prangt die Schöne,

Gesang mag ihr Entzücken weih'n, -

Doch Vögel haben nichts als Töne

Und Worte hat der Mensch allein.

Wenn Wort' und Töne froh sich finden,

Wie Eines mit dem Andern zieht,

Da werden sie sich gern verbinden,

Da bilden sie vereint das Lied.

Der Vogel preis' in Schall und Klange

Den Lenz; die Blum' in Duftes Lust;

Der Mensch begrüß' ihn im Gesange

Des Wortes aus der Menschenbrust.

Die Blume bleibt am Boden hangen,

Der Vogel schwingt sich flatternd auf

Und Beide streben und verlangen

Mild-ahnend nach dem Licht hinauf.

Der arme Mensch steht zwischen Beiden,

Wie Licht ihn lockt, wie Erd' ihn hält,

Doch Menschenfreuden, Menschenleiden

Verkündet er im Wort der Welt.