Das ungestüme Mädchen

A. Teichmüller

Nächtigschwarze Wälder, lichtet euch!

Pfeilgeschwinde Ströme, tretet aus!

Wirble Staubgewölk, du breiter Weg!

Gib' mir Kunde, du mein Vögelein!

Will als Strom entlang dem Ufer ziehn,

Flieg' als Wind den Wolkenschaaren nach

In die Fremde, in die weite Welt --

Suchen will ich meinen Seelenfreund...

Und ich find' ihn, wo er immer sei,

Und ich sag' ihm: "Schmach und Schande dir,

Daß verlassen Vater du und Heim,

Daß du unstät lebst wie Wirbelwind!"

Sieh, da schüttelt er den Lockenkopf,

Siehe, den Kaftan von Sammet zieht er an,

Sieh, er schnürt den Seidengurt sich um,

Sieh, er küßt mich und spricht liebevoll:

"Nein, mein Herzenslieb -- du irrtest dich --

Unstät war mein Leben nicht wie Wind:

Stand im Tagelohn, hab' Geld gespart,

Hab' im fremden Land mein Glück versucht.

"Und vom Glück gesegnet ist mein Loos:

Sieh, zwei Häuser schon erwarb ich dir,

Fuchsfell, Seidenstoff und Goldesschatz --

Heisa, wie Bojaren leben wir!"

Ach, ihr Freundinnen, Gespielinnen!

Nicht vor Kummer wein' ich -- nein, vor Glück,

Das wie Feuer mir die Seele brennt!

Ach, das Herz ist voll -- da schweigt der Mund!