O Welt, du Wunder

A. Teichmüller

Die Welt ist schön, wenn der Flieder blüht,

wenn die Jungbuche leuchtet und lacht,

wenn im hohen Grase die Kleeblume glüht,

wenn die Grasmücke singt, und die Welle rauscht,

und die Liebe heimlich erwacht.

Die Welt so strahlend im Sommerschein,

wenn die Ernten in Golde stehen,

wenn zwischen den Garben Säuglinge schrein,

wenn die Sense blinkt – und im Ringeltanz

aus Schwarzhaar Mohnblüten wehn.

Die Welt ist schön, wenn im Herbststurmstreit

Blätter und Frucht zerstiebt –

wenn Wolken jagen so weit, so weit,

und hoch in Lüften die Krähen ziehn –

und gestorben, was du geliebt.

O Welt, du Wunder im Flockentanz,

der stumm die Erde einhüllt,

und in stillen Kammern in tiefem Schlaf

die Blumen und Herzen in himmlischer Ruh

mit leuchtendem Glanz überfüllt.