Bergmanns Ständchen
A. Titl
Wieder über'm Berggetrümmer,
Steht der Mond, so mild wie sonst,
Und beglänzt mit weißem Schimmer
Jetzt das Häuschen, wo du wohnst.
Keines leisen Schalles Wehen,
Rings nur Schweigen wie im Grab,
Und die goldnen Sterne sehen
Auf mich Einsamen herab.
Hörst du nicht der Laute Klingen,
Das zu deinem Fenster dringt,
Und auf leisen Aetherschwingen
Meinen stillen Gruß dir bringt.
Lausche doch vom weichen Pfühle
Nieder eh' der Sänger schied,
Denn vor'm lauten Taggewühle
Flüchtet scheu der Sehnsucht Lied.
Ach, in öden Bergesschlünden
Muß ich bergen meinen Schmerz,
Kann es nur dem Mond verkünden
Wie nach dir sich sehnt mein Herz.
Muß aufs Neu' nach Erzen schürfen
Wenn die Sonne steigt empor,
Und nicht meine Klagen dürfen
Dringen an der Menschen Ohr.
So durch ewigfinstre Schächte
Geh' ich ohne Strahl und Schein,
Lächelst du in meine Nächte
Nicht als Hoffnungsstern hinein.