Bitte an den Strom
A. Titl
Wohin, wohin mit deinen Fluten,
du stiller Strom aus fernem Land?
Hast du kein Glück mir mitzubringen,
kein Freundeswort, kein Liebespfand?
Schlägt in den schönen Auen allen,
die du bespülst, für mich kein Herz?
In allen Städten, die du spiegelst,
kein Puls, der mitfühlt meinen Schmerz?
Ich steh' umsonst an deinem Ufer,
ich blick' umsonst hinein in dich;
so viele tausend klare Wellen,
und nicht ein Tropfen Lust für mich!
So weit du ziehst, so weit du wanderst,
so viel du sah'st an Lieb' und Glück -
du rauschest kalt an mir vorüber
und lässest nichts, ach, nichts zurück!
O so beglücke mich denn anders,
und weil du nichts für mich gebracht,
so nimm von hinnen, was mich quälet,
spül' es hinweg mit Wogenmacht!
Lass meine Schmerzen mich versenken
in deiner Wasser tiefes Grab
und trage sie mit frischer Eile
zum fernsten Meere mit hinab.