Nachtgesicht

A. Urspruch

Allabendlich vor Schlafen geh'n

Muß ich der Liebsten Bild besehn;

Dem sag'ich leise gute Nacht

Und frag'es: Hast du mein gedacht?

Und lösch' ich dann der Lampe Licht

So taucht dein holdes Angesicht

Hervor aus finsterm Hintergrund

Wie aus Gewölk des Mondes rund.

Da lächelst du so liebevoll

Und winkst mir, daß ich folgen soll;

Du reichst mir helfend deine Hand

Schlägst auch um mich ein Lichtgewand.

Wir halten innig uns umfaßt

Und schweben, frei der Erdenlast,

bis in ein Land von Sonnenschein

da bin ich dein, da bist du mein!

Doch ach! Dies Land ist nur ein wahn

Und wachend find'ich nie die Bahn.

Mein Glück hat nicht im Leben Raum,

es ist und bleibt ein schöner Traum!