Frühling überall

A. Vogel

Vor meinem Fenster sang der Fink:

"Heraus in's Freie, frisch und flink!

Der Frühling ist ja kommen!"

Ich ging noch in der Mauern Kluft,

Da kam schon lind und lau die Luft

Entgegen mir geschwommen.

Und wie ich schreite durch das Thor,

Steigt jubelnd eine Lerch' empor,

Als flög' sie in den Himmel.

Lustwandelnd lenk' ich querfeldein:

Blauveilchen duftet schon am Rain,

Am Bach die gold'ne Primel.

Wohin ich seh', die Bäume weiß,

Und laubig schon der Büsche Reiß

Und sammetgrün die Halde.

Und wie ich wieder steh' und und horch:

Am Weiher klappert laut der Storch,

Der Kukuk ruft im Walde.

So lug' und lausch' ich, bis von fern

Am Himmel blinkt der Abendstern,

Und rings die Glocken gehen.

Nun tracht' ich heim; o Nachtigall,

Da bringt mir deines Liedes Hall

Der Nachtluft sanftes Wehen.

Und so ich nochmal rückwärts schau',

Erglühen Wald und Strom und Au

Im gold'nen Abendrothe. --

O Finke, deß gedenk' ich lang,

Wie mich herausgelockt dein Sang,

Du lieber Frühlingsbote.