Gib mir, Gott, der alles gibt

A. Wagner

Wenn die Abendsterne blinken,

jeder Halm erglänzt im Tau,

tausend gold'ne Träume winken,

Nacht umhüllt des Himmels Blau,

blick' ich auf zum Firmamente,

falte betend meine Hände:

„Gib mir, Gott, der alles gibt,

eine Seele, die mich liebt!“

Wenn der Morgenröte Strahlen

Wald und Feld und Bergessaum

mit dem reichsten Purpur malen,

wenn verlischt der letzte Traum,

blick' ich auf zum Firmamente,

falte betend meine Hände:

„Gib mir, Gott, der alles gibt,

eine Seele, die mich liebt!“

Und so blinken Abendtsterne,

und so glänzt die Morgenpracht,

doch die Seele bleibt mir ferne,

die mich liebt und die mir lacht.

Aber doch zum Firmamente,

falt' ich betend meine Hände:

„Gib mir, Gott, der alles gibt,

eine Seele, die mich liebt!“