Ewig

A. Wicher

Noch lag die Erde kalt und nüchtern

in lebensloser, stiller Ruh',

und nur ein Veilchen neigte schüchtern

sein zartes Haupt der Sonne zu.

Da sah ich dich wie traumumfangen

an einem Scheidewege steh'n;

da überkam mich heiß' Verlangen

beim Abschied um ein Wiederseh'n.

Ich schied von dir, ich sah dich wieder

im gold'nen Abendsonnenschein;

es duftete ringsum der Flieder,

ein Glöcklein lud zum Beten ein,

ein Hirt blies seine Melodien

so rührend in die Nacht hinaus,

da sah ich einen Engel ziehen

mit mir zugleich ins Vaterhaus.

Dann sah ich dich zum dritten Male

in einer feierlichen Stund'

im kleinen Kirchlein dort im Tale,

vereint mit mir zum ew'gen Bund;

und all mein Denken, all mein Sehnen,

ich hab' es damals dir vertraut,

da hast du lächelnd unter Tränen

ins treue Auge mir geschaut.

Du bist in guten, starken Händen

bis zu des Herzens letztem Schlag;

der Himmel wird uns Segen spenden,

was immer uns auch treffen mag.

Um deine Liebe will ich werben;

was wüsst' ich Schön'res wohl zu tun?

An deinem Herzen will ich sterben,

an deiner Seite will ich ruh'n.