Maiwonne
A. Winterberger
Nun ist es wieder Frühling,
Nun ist es wieder Mai,
Nun ist von Schnee die Erde,
Das Herz von Kummer frei;
Nun schmückt die Fluren wieder
Ein neues grünes Kleid,
Und neu erwacht die Hoffnung
Auf eine bess're Zeit.
O wonnigliches Leben,
Wann rings der Frühling lenzt,
Wann rings von Licht und Farben
Die Schöpfung wieder glänzt;
Wann uns der Baum wie neckend
Mit Blüthenschnee bewirft,
Und aus den Blumenkelchen
Die Seele Labung schlürft.
O daß ich Worte fände
Für meine Sangeslust,
Für all' die Lenzgefühle,
Davon sich hebt die Brust!
Doch wenn mein schwelgend Auge
All' diese Wunder sieht,
Da stirbt mir auf den Lippen
Mein kaum begonnen Lied.
Mich fasset ein Entzücken,
Wie Trunkenheit, wie Rausch,
Mir ist, als machten Himmel
Und Erde einen Tausch;
Und alles, was ich lalle,
Klingt ewig einerlei:
Nun ist es wieder Frühling,
Nun ist es wieder Mai!