Seit ich dich zuletzt gesehen

A. Winterberger

Seit ich dich zuletzt gesehen,

Schwester, bist nicht mehr so schön!

Deiner Augen hellen Schein

Nimmt ein dunkler Schatten ein.

Deine Stimme, sonst so klar,

Mädchen, zittert wunderbar.

O, ein Sturm nahm deine Ruh --

Schwesterchen, geliebt hast du!

Deine blasse Wang' erzählt,

Daß Gedanken dich gequält,

Und daß du den Strom entlang

Träumend gingst mit leisem Sang,

Einsam durch die Wildniß streifst,

Kalgend in die Harfe greifst!

O, warum so tief betrübt?

Glücklich hast du nicht geliebt.

An mein Herz leg' dein Gesicht!

Deine Leiden klag' mir nicht!

Klage nicht, wie du bethört,

Wie dein schönstes Glück zerstört,

O, kein zürnend Wörtchen sprich!

Armes herz, getröste dich!

Komm mit mir ins Vaterhaus --

Schwester, weine dort dich aus.