Kommt ein schlanker Bursch
A. Wolf
Kommt ein schlanker Bursch' geschritten,
In der Hand den Wanderstab,
Leicht gebräunt sind seine Wangen,
Weiche, blonde Locken hangen
Auf den nerv'gen Hals herab.
Klarer, als die Maiensonne,
Glänzt sein Auge, keck und blau,
Purpurn, wie die wilden Rosen,
Die am Weg mit Bienen kosen,
Wölbt sich seiner Lippen Bau.
Und er bietet mir die Rechte
Traut zum Freundschaftsgruße dar:
Unter schlichten Wandersleuten
Braucht's nicht lauer Höflichkeiten,
Denn die Hand spricht kurz und wahr.
"Ziehst wohl weit auf Deiner Straße,
Sprich, mein wackerer Kumpan?"
-- "Ach, wohl weit der Himmel blauet
Und wohl oft der Abend grauet,
Bis durchwandert ich die Bahn."
-- "Suchest wohl des Glückes Lächeln,
Funkelnd Gold und Liebestand?"
-- "Bin nicht," spricht er, "so vermessen,
Suche Trost nur und Vergessen,
Fern von meinem Vaterland."