Köhlerglaube

A. Wustrow

Ich sang mein Liedchen im Wald, im Wald

So selig!

Vom Herzen drang es, zum Herzen es schallt'

So fröhlich!

Da liefen die rußigen Köhler herbei

Mit Köhlergeräthe und Köhlergeschrei,

Und schrieen: ich träfe die rechten

Gesänge nicht, die sie wohl möchten.

Ich küßte mein Liebchen im Wald, im Wald

Recht herzlich!

Uns beide umflocht der Minne Gewalt

Süßschmerzlich!

Da liefen die rußigen Köhler herbei

Mit Köhlergeräthe und Köhlergeschrei,

Und schrieen: es sei nicht die Sitte,

Zu küssen so nah' ihrer Hütte.

Die Köhler, die glaubten, sie müßten den Kuß

Verwill'gen,

Ich sänge, daß sie des Liedes Erguß

Mir bill'gen.

Die Köhler, die glauben bekanntlich sehr viel,

Der Teufel trieb wieder mit ihnen sein Spiel,

Drum waren sie, dumm und vermessen,

Vom Köhlerglauben besessen.