Maiblumen blühten überall

A. Zemlinsky

Maiblumen blühten überall;

er sah mich an, so trüb und müd.

Im Faulbaum rief eine Nachtigall:

die Blüthe flieht! die Blüthe flieht!

Von Duften war die Nacht so warm,

so warm wie Blut, wie unser Blut;

und wir so jung und freudenarm.

Und über uns im Busch das Lied,

das schluchzende Lied; die Glut verglüht!

Und er so treu und mir so gut.

In Knospen schoß der wilde Mohn,

es sog die Sonne unsern Schweiß.

Es wurden rot die Knospen schon,

da wurden meine Wangen weiß.

Ums liebe Brot, ums teure Brot

floß doppelt heiß ins Korn sein Schweiß.

Der milde Mohn stand feuerrot;

es war wohl fressendes Gift der Schweiß,

auch seine Wangen wurden weiß,

und die Sonne stach im Korn ihn tot.