Die Mainacht

Adolf Wallnöfer

Wann der silberne Mond durch die Gesträuche blinkt,

Und sein schlummerndes Licht über den Rasen streut,

Und die Nachtigall flötet,

Wandl' ich traurig von Busch zu Busch.

Selig preis' ich dich dann, flötende Nachtigall,

Weil dein Weibchen mit dir wohnet in Einem Nest,

Ihrem singenden Gatten

Tausend trauliche Küsse giebt.

Überhüllet von Laub, girret ein Taubenpaar

Sein Entzücken mir vor; aber ich wende mich,

Suche dunklere Schatten,

Und die einsame Thräne rinnt.

Wann, o lächelndes Bild, welches wie Morgenroth

Durch die Seele mir stralt, find' ich auf Erden dich?

Und die einsame Thräne

Bebt mir heisser die Wang' herab.