Hirtenmägdlein auf der Wiese

Albert Hermann Dietrich

Hirtenmägdlein auf der Wiese,

O du allerliebste Zier,

Tröst' dich Gott, du meine Seele,

Denn ich scheide nun von hier!

Scheide nun von dieser Halde,

Hirtenkind, mit meiner Heerde,

Nicht mehr siehst du mich im Walde

Hingestreckt auf grüner Erde,

Weil ich heut beraubet werde

Alter Wonnen, alter Nöthe,

Und das Lied auf meiner Flöte,

Ach, zum Seufzer wird es mir!

Muß im Feld mein Lager machen,

Muß mich betten in dem Schneee,

Glut von dürrem Ginster fachen,

Daß ich nicht vor Frost vergehe.

Mit dem dornigen Busch der Schlehe

Deck' ich mir zu Nacht die Glieder,

Und, bis daß es taget wieder,

Wein' ich, lieber Schatz, nach dir.

Weh'n zu scharf die Winterlüfte,

Geh' ich singend weite Strecken

Durch des Mondes Nebeldüfte,

Statt der Cither mit dem Stecken.

Was die Lieder dann entdecken,

Nur der Himmel wird es hören

Und die Vögel in den Föhren, -

Doch kein Laut gelangt zu dir.