Der König auf dem Thurme

Albert Theodor Töpken

Da liegen sie alle die grauen Höhn,

Die dunkeln Thäler in milder Ruh;

Der Schlummer waltet, die Lüfte wehn

Keinen Laut der Klage mir zu.

Für alle hab' ich gesorgt und gestrebt,

Mit Sorgen trank ich den funkelnden Wein;

Die Nacht ist gekommen, der Himmel belebt,

Meine Seele will ich erfreun.

O du goldne Schrift durch den Sternenraum,

Zu dir ja schau ich liebend empor;

Ihr Wunderklänge, vernommen kaum,

Wie besäuselt ihr sehnlich mein Ohr!

Mein Haar ist ergraut, mein Auge getrübt,

Die Siegeswaffen hängen im Saal,

Habe Recht gesprochen und Recht geübt;

Wann darf ich rasten einmal?

O selige Rast, wie verlang' ich dein!

O herrliche Nacht, wie säumst du so lang,

Da ich schaue der Sterne lichteren Schein

Und höre volleren Klang!