Lobgesang

Alma Mahler

Wie das Meer

ist die Liebe:

unerschöpflich,

unergründlich,

unermeßlich:

Woge zu Woge

stürzend gehoben,

Woge in Woge

wachsend verschlungen,

sturm-und-wetter-geberdig nun,

sonneselig nun,

willig nun dem Mond

die unaufhaltsame Fläche —

doch in der Tiefe

stetes Walten ewiger Ruhe,

ungestört,

undurchdringbar dem irdischen Blick,

starr verdämmernd in gläsernes Dunkel —

und in der Weite

stetes Wirken ewiger Regung,

ungestillt,

unentwirrbar dem irdischen Blick,

wild verschwimmend im Licht der Lüfte:

Aufrausch der Unendlichkeit

ist das Meer,

ist die Liebe.