Komm, falsche Dirne

Aloys Reckendorf

Komm, falsche Dirne, laß dich küssen!

So falsch du bist, doch bist du süß;

Dein Mund hat all an sich gerissen

Den Honig aus dem Paradies.

Ich herze dich, und sollte hassen;

Ich hasse dich, doch ach, wie mild!

Ich sollte dich auf ewig lassen,

Und fasse dich, so wild, so wild!

Und ist in alle diese Wonnen

Mein Leben und mein Geist getaucht --

Was mir dein Herz für Qual ersonnen,

Ist alles in den Wind gehaucht!