Getrennt, aber wie schwer!
Anonymous
Ich will mich umschauen nach Tint' und Papier,
Meinem Schätzen zu schreiben den Abschied an die Thür',
Wohl hinter die Thüre, wohl an das Haus:
Ach Schätzchen, schönstes Schätzchen, unsre Freundschaft ist aus.
Er klopft' an ganz leise mit seinem goldnen Ring:
Schatz, schläfst du oder wachst du, du allerschönstes Kind?
Sie war ganz erschrocken, aus dem Bette sprang sie 'raus,
Thät das Hemdchen überwerfen, zum Fenster schaut sie 'naus:
Geh weg von meinem Fenster, geh weg von meinem Thür'!
Sonst greif' ich meine Waffen und schlage nach dir.
Du hast mir versprochen die Treue so fest,
Du hast sie gebrochen, geh hin wo du gewest.
Da diese zwei Verliebte aus einander gegang'n,
Sind die Thränen von den Augen herunter gerannt,
Die Thränen von den Augen, die Tröpflein von den Wang'n --
Aber diese zwei Verliebte kommen nicht mehr zusamm'n.