Das Schwanenlied

Anton Stepanovich Arensky

Will heut' rüsten ein Fest, will heut' laden viel' Gäst'

und des Lebens mich wieder erfreuen;

neu erfasste die Brust mir Begierde nach Lust,

muss die Schatten der Seele zerstreuen.

Will geblendet von Glanz mich am Liede und Tanz,

der entfesseltsten Orgie berauschen,

will in sinnlosem Drang all den Märchen, die lang'

schon verklungen, heut' wiederum lauschen;

will von schwankender Schattenwelt dicht sein umstellt,

wie ein Feldherr, vom Heere umscharet,

der im Kampfesgewühl sich und wildestem Spiel

vor dem Traume der Gegenwart wahret.

Will, dass neu sie ersteh'n und vorüber mir geh'n,

die mein Herz einst betörend verlachten,

und für Falschheit und Hohn bring' ich allen als Lohn

mein so lange genährtes Verachten.

Will, dass laden sich lässt sie zum unsel'gen Fest,

sie, mein Traum, sie, mein Lieb', sie, die Sonne,

die ins Dunkel der Nacht mir den Morgen gebracht,

mir den Kerker erfüllt hat mit Wonne.

Auf dass nie sich erneu'r mein Begeisterungsfeu'r,

an die Seele kein Strahl mehr sich wage,

werfe Seele und Herz samt Begeist'rung und Schmerz

ich ihr zu des Schwanenlieds Klage.