Der Junggesell und der Mühlbach

Anton Urspruch

Gesell:

Wo willst du, klares Bächlein, hin

So munter?

Du eilst mit frohem, leichtem Sinn

Hinunter.

Was suchst du eilig in dem Tal?

So höre doch und sprich einmal!

Bach:

Ich war ein Bächlein, Junggesell;

Sie haben

Mich so gefaßt, damit ich schnell

Im Graben

Zur Mühle dort hinunter soll,

Und immer bin ich rasch und voll.

Gesell:

Du eilest mit gelaßnem Mut

Zur Mühle,

Und weißt nicht, was ich junges Blut

Hier fühle.

Es blickt die schöne Müllerin

Wohl freundlich manchmal nach dir hin?

Bach:

Sie öffnet früh beim Morgenlicht

Den Laden

Und kommt, ihr liebes Angesicht

Zu baden.

Ihr Busen ist so voll und weiß;

Es wird mir gleich zum Dampfen heiß.

Gesell:

Kann sie im Wasser Liebesglut

Entzünden,

Wie soll man Ruh mit Fleisch und Blut

Wohl finden?

Wenn man sie einmal nur gesehn;

Ach! immer muß man nach ihr gehn.

Bach:

Dann stürz ich auf die Räder mich

Mit Brausen,

Und alle Schaufeln drehen sich

Im Sausen.

Seitdem das schöne Mädchen schafft,

Hat auch das Wasser beßre Kraft.

Gesell:

Du Armer, fühlst du nicht den Schmerz,

Wie andre?

Sie lacht dich an und sagt im Scherz:

Nun wandre!

Sie hielte dich wohl selbst zurück

Mit einem süßen Liebesblick?

Bach:

Mir wird so schwer, so schwer vom Ort

Zu fließen:

Ich krümme mich nur sachte fort

Durch Wiesen;

Und käm es erst auf mich nur an,

Der Weg wär bald zurückgetan.

Gesell:

Quelle meiner Liebesqual,

Ich scheide;

Du murmelst mir vielleicht einmal

Zur Freude.

Geh, sag ihr gleich und sag ihr oft,

Was still der Knabe wünscht und hofft.