Die Weise guter Zecher ist
Arthur Vollmer
Die Weise guter Zecher ist
In früh' und später Stunde,
Daß alter Wein im Becher ist,
Und neuer Witz im Munde --
Denn wo man Eins davon entbehrt,
Da ist das Andre auch nichts werth --
Das Eine steht zum Andern.
Je mehr wir uns vertieft im Wein,
Je höher steigt der Geist uns --
Der Bart der Weisheit trieft von Wein,
Die ganze Welt umkreis't uns,
Versunken ganz in Trunkenheit,
Und trunken in Versunkenheit,
In Wein, Gesang und Liebe!
Die Weisen beim Pokale stehn
Hoch über der Gemeinheit,
Wie Berge überm Thale stehn
In himmelhoher Reinheit --
Die Berge färbt des Himmels Licht,
Uns wiederstrahlt das Angesicht
Im Glanz der vollen Becher!
Sagt, was die Welt im Tausch uns giebt
Für unser lustig Leben!
Die Wonne, die ein Rausch uns giebt,
Wer mag uns Bess'res geben?
Nur Eins kenn' ich, das schöner ist:
Wenn du, Hafisa! bei mir bist,
Mit Küssen und mit Scherzen!
Und weil so kurz das Leben ist,
Muß stets der Weisen Ziel sein:
Des Glücks, das uns gegeben ist,
Kann nimmermehr zuviel sein!
Drum Kind, laß alle Skrupel sein
Und steig herab in unsre Reih'n,
Wie in's Gebirg die Sonne!