Das Grab

August Ferdinand Häser

Bist du auferstanden

Von der Grabesruh,

Von den Todesbanden,

Lebenbringer du?

Engel Gottes stehen

An der off'nen Thür,

Frühlingslüfte wehen:

Er ist auferstanden und ist nicht mehr hier.

Aber, ach! der Lieben

Winterödes Grab

Ist ja zu geblieben,

Niemand wälzt mir ab

Ihren Stein vom Grabe,

Längst bedeckt ihn Moos,

Und ich Armer habe

Nichts als eitle Klage, denn der Stein ist groß.

Immer hin zur Stätte

Komm' ich früh und spät,

Ob vom todten Bette

Sie nicht aufersteht.

Winter ist vergangen,

Bettlein wieder grün;

Aber ihre Wangen

Wollen immer, immer noch nicht auferblüh'n.

Jüngling dort zur Rechten

Im schneeweißen Kleid,

Licht in Grabesnächten,

Trost in Traurigkeit,

Engel an der Pforte,

Wann erschein'st du mir

Mit dem Osterworte:

Sie ist auferstanden und ist nicht mehr hier!