Wiederhall
August Ferdinand Häser
An dem stillen Felsen-Hange,
In der einsam-hohlen Gassen,
Die Sie lieben muß und hassen,
Wo Er, scheidend, Sie verlassen,
Sitzt die Jungfrau lange -- lange; --
Und der Fels selbst an der Straßen
Seufzet: "Lange!"
Da eilt Sie zu Ufer-Stegen,
Ruft den Wellen, ruft den Nachen
Von der schnellen Fluth getragen,
Ihre Bitten, ihre Klagen:
"Ihr bringt mir ihn nicht entgegen?!"
Wellen, murmelnd, weiter jagen:
"Nicht entgegen!!"
In der Haine dichte Hallen
Nun, wo Zweige, flüsternd, rauschen,
Wipfel, wiegend, Worte tauschen,
Geht Sie Geister-Bäumen lauschen;
Flüstert mit: "ihr hört nichts hallen?"
Und all' die Dryaden rauschen:
"Hör'n nichts hallen!"
Auf die Höh'n zur Abendstunde
Klimmet Sie mit matten Füßen,
Muß die Wolken, die hier küssen
Steile Felsen, alle grüßen:
"Bringt von Ihm ihr keine Kunde?"
Lüfte, jammernd, wieder grüßen:
"Keine Kunde!"
Jetzt durch Wolken plötzlich scheinen
Sterne, die sich freundlich neigen
Aus des Äthers Flammen-Reichen,
Und Sein liebes Bild Ihr zeigen. --
"Ihr wollt ihm mich ewig einen?!"
Hell' strahlt's -- und die Erden weichen --
"Ewig einen!"