In die Ferne

August Heinrich Leberecht August Mühling

Siehst du am Abend die Wolken ziehn?

Siehst du die Spitzen der Berge glühn?

Mit ewigem Schnee die Gipfel umglänzt,

Mit grünenden Wäldern die Täler umkränzt.

[Ach, in die Ferne

Sehnt sich mein Herz!]

Ach, in den Wäldern, so ewig grün,

Kann still und heimlich die Liebe glühn!

Nur der Morgen sieht sie, der Abendschein,

Und die Lieb' ist mit Liebe so selig allein.

Ach, in die Ferne

Sehnt sich mein Herz!

Am starren Felsen bricht sich der Nord,

Sanft wehen Lüftchen im Tale fort;

Durch die Wälder schimmert der Mond umher,

Und ferne da rauschet und brauset das Meer.

[Ach, in die Ferne

Sehnt sich mein Herz!]

O könnt' ich ziehen im Morgenroth!

O hauchte Abend mir Liebestod!

Es schwindet das Leben, du weißt es kaum --

O ewige Liebe, O ewiger Traum!

Ach, in die Ferne

Sehnt sich mein Herz!