Der ungetreue Knabe

August Leopold Crelle

Es war ein Knabe frech genung,

War erst aus Frankreich kommen,

Der hatt' ein armes Maidel jung

Gar oft in Arm genommen;

Und liebgekos't und liebgeherzt;

Als Bräutigam herum gescherzt;

Und endlich sie verlassen.

Das braune Maidel das erfuhr,

Vergingen ihr die Sinnen,

Sie lacht' und weint' und bet't'und schwur:

So fuhr die Seel' von hinnen.

Die Stund da sie verschieden war,

Wird bang dem Buben, graus't sein Haar:

Es treibt ihn fort zu Pferde.

Er gab die Sporen kreuz und quer

Und ritt auf alle Seiten,

Herüber, nüber, hin und her,

Kann keine Ruh erreiten;

Reit't sieben Tag' und sieben Nacht:

Es blitzt und donnert, stürmt und kracht,

Die Fluten reißen über.

Und reit't im Blitz und Wetterschein

Gemäuerwerk entgegen;

Bind't's Pferd hauß' an und kriecht hinein,

Und duckt sich vor dem Regen;

Und wie er tappt, und wie er fühlt,

Sich unter ihm die Erd' erwühlt,

Er stürzt wohl hundert Klafter.

Und als er sich ermannt vom Schlag,

Sieht er drei Lichtlein schleichen.

Er rafft sich auf und krabbelt nach;

Die Lichtlein ferne weichen;

Irr' führen ihn, die Quer' und Läng',

Trepp' auf, Trepp' ab, durch enge Gäng',

Verfallne wüste Keller.

Auf einmal sitzt er hoch im Saal,

Sieht sitzen hundert Gäste,

Hohläugig grinsen allzumal

Und winken ihm zum Feste;

Er sieht sein Schätzel unten an

Mit weißen Tüchern angetan,

Die wend't sich -!